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7.1 Micro-Haarpigmentierung

Achtung, mögliches Missverständnis: Mit dem Färben der Haare selbst hat Micro-Haarpigmentierung (englisch Scalp Micropigmentation) überhaupt nichts zu tun. Im Zusammenhang mit der Behandlung von Haarverlusten versteht man unter Micro-Haarpigmentierung ein relativ neues kosmetisches Verfahren zur Tätowierung der Kopfhaut.

7.1.1 Für wen ist Micro-Haarpigmentierung geeignet?

Micro-Haarpigmentierung lässt Ihr Haar dichter erscheinen. Die Kopfhaut wird durch die Tätowierung auf natürliche Weise abgedunkelt, spiegelt nicht mehr bzw. bildet keinen auffälligen Kontrast zum ausgedünnten Kopfhaar. Das funktioniert für Männer ebenso wie für Frauen, für einen frisch rasierten Look ebenso wie für kurzes und langes Haar. Diffus oder stellenweise ausgedünntes Haar, ein zurückweichender Haaransatz oder sehr starke bis totale Haarverluste können gleichermaßen optisch ausgeglichen werden.

Das Verfahren ist für Männer und Frauen geeignet, die an androgenetischer Alopezie oder chronischem diffusem Haarausfall leiden. Aber auch haarlose Stellen, die aufgrund von vernarbten Verletzungen, bei Alopezia areata oder infolge vernarbender Alopezien auftreten, lassen sich mit dem kunstvollen Permanent-Make-up kaschieren. Auch wenn mit einer Haartransplantation keine ganz zufriedenstellende Haardichte erreicht werden konnte oder wenn die Donorregion am Hinterkopf infolge mehrfacher Transplantationen merklich ausgedünnt erscheint, hilft die Micro-Haarpigmentierung weiter; darüber hinaus kann sie die langen Strip-Narben und die kleinen runden Narben, die nach FUT bzw. FUE zurückbleiben, effektiv verstecken.[1]

Zu den Vorteilen des Verfahrens gehört die unproblematische Anwendung mit verhältnismäßig geringem Aufwand und ohne chirurgischen Eingriff, die generelle Unkompliziertheit (aufwändige therapeutische Haarpflege ist kein Muss mehr) und der Verzicht auf Medikamente.

7.1.2 Wie funktioniert die Micro-Haarpigmentierung?

Mit Mikronadeln unterschiedlicher Größen werden zahlreiche kleine Pigmentpunkte auf die Kopfhaut pigmentiert. Das Verfahren unterscheidet sich sowohl hinsichtlich der verwendeten Pigmente als auch hinsichtlich der Tiefe des Pigmenteintrags erheblich von einer klassischen Tätowierung: Um das gewünschte, natürliche Ergebnis zu erreichen, wird UV-stabile, farbstabile, weitgehend schwermetallfreie Tinte nur in die obere Dermis (ca. 0,7 Millimeter tief[2]) eingebracht. Wird das Pigment zu flach injiziert, wird es im Laufe weniger Wochen zusammen mit den regelmäßig erneuerten Zellen der Epidermis abgestoßen. Bei zu tiefer Injektion, die der bei einem normalen Tattoo entspricht, kommt es im Laufe von Monaten zum “Verlaufen“ der feinen Pigmentpunkte und damit zum weitgehenden Verlust des ästhetisch überzeugenden Ergebnisses.

Micro-Haarpigmentierung erfordert daher erhebliches technisches Geschick, Erfahrung und ästhetisches Gespür. Es kommen unterschiedliche Farbschattierungen zum Einsatz, mit deren Hilfe besonders bei Männern eine sehr realistische, dreidimensionale Illusion von dicht an dicht liegenden Haarfollikeln geschaffen wird, aus denen frisch rasierte, kräftige Haare sprießen. Bei Frauen ist kein kompletter Haarverlust zu erwarten, daher muss weniger detailverliebt gearbeitet werden: Der Fokus liegt hier darauf, die Kopfhaut unauffällig zu schattieren.

Das Farbspektrum der eingebrachten Pigmente wird auf Ihre natürliche Haarfarbe abgestimmt. Bei hellem Haar gibt es gewisse Grenzen: Das Verfahren wird bei blonden Männern zwar ebenfalls angewendet, kann blonden Frauen aber nicht generell empfohlen werden.

7.1.3 Durchführung

Die Micro-Haarpigmentierung findet in zwei bis vier Sitzungen statt. Die Länge der Sitzungen variiert mit dem Umfang der gewünschten Behandlung. Für die erste Sitzung müssen Sie typischerweise zwischen drei und fünf Stunden einplanen, in aufwändigen Fällen können bis zu acht Stunden erforderlich sein. Im Rahmen der ersten Sitzung werden zwischen 10.000 und 40.000 winzige Pigmentpunkte gesetzt. Eine bis drei weitere Sitzungen dienen der optischen Verfeinerung des Ergebnisses und sind entsprechend kürzer.

Das Injizieren der Pigmente ist ein bisschen unangenehm, schmerzt aber weniger als bei einem klassischen Tattoo. Bei Bedarf gibt es selbstverständlich die Möglichkeit, die Kopfhaut mit einem Lokalanästhetikum schmerzunempfindlich zu machen.

Bei Männern wird in der Regel die rasierte Kopfhaut tätowiert. Frauen können auf die Rasur verzichten; hier wird das Haar zum Aufbringen der Tätowierung an verschiedenen Stellen gescheitelt.

7.1.4 Ergebnisqualität

Direkt nach der Tätowierung wird die Pigmentierung im Allgemeinen deutlich dunkler wirken als erwünscht. Das ist kein Grund zur Sorge: Einerseits befindet sich nach der Prozedur immer Pigment auf der Oberfläche der Kopfhaut, das innerhalb weniger Tage ausgewaschen wird. Andererseits ist aufgrund der Schwierigkeit, das Pigment nicht zu tief, aber auch nicht zu flach einzubringen, meist ein bestimmter Pigmentanteil in der Epidermis lokalisiert. Dieser verschwindet im Zeitrahmen der natürlichen Erneuerung der Epidermiszellen ungefähr innerhalb eines Monats. Korrekturen unerwünschter Pigmentierung sind mit einem Laser möglich.

Da die eingesetzten Pigmente vom Immunsystem des Körpers als Fremdkörper behandelt werden, verblassen Tätowierungen mit der Zeit. Auch die Micro-Haarpigmentierung ist von diesem Effekt betroffen, der individuell unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Jährliche Touch-ups erhalten die volle kosmetische Wirkung der Tätowierung; im Rahmen eines solchen Touch-ups kann auch auf neu aufgetretene Veränderungen der Haarsituation reagiert werden.

In jedem Fall hängt die Qualität des Ergebnisses ganz erheblich von Erfahrung und Geschick des Behandlers ab. Ein ausführliches Vorgespräch und das Vorliegen aussagekräftiger Dokumentationen zu den Ergebnissen bereits durchgeführter Prozeduren sind für Interessenten ein Muss.

Langfristige Erfahrungen mit Micro-Haarpigmentierung sind noch nicht vorhanden – das Verfahren wird erst seit wenigen Jahren überhaupt in größerem Maßstab angewendet.

7.1.5 Risiken und Nebenwirkungen

Wie nach jeder Tätowierung ist die Haut für einige Tage gerötet, leicht geschwollen und von einem mehr oder weniger ausgeprägten Wundschorf bedeckt.

Zu den kurzfristigen Risiken der Micro-Haarpigmentierung gehören in erster Linie ein kleines Risiko von Infektionen und allergischen Reaktionen auf Bestandteile der Pigmente. Ersteres ist adressierbar durch die Verwendung von Einmalnadeln und tadellos hygienisches Vorgehen, letzteres lässt sich prinzipiell durch einen Prick-Test vorab feststellen (auch wenn das nicht zum Standardprogramm der Anbieter gehört).

Darüber, wie der Körper langfristig auf die beim Tätowieren verwendeten Pigmente und ihre Abbauprodukte reagiert ist sehr wenig bekannt. Allerdings gibt es auch keine direkten Hinweise auf eventuelle Risiken wie etwa Karzinogenität. In der Fachliteratur existieren anekdotische Berichte von Hautkrebs auf Tattoos.[3] Bislang sehen Fachleute jedoch keinen Anlass, hier einen systematischen Zusammenhang anzunehmen; ob Melanome häufiger auf tätowierter als auf untätowierter Haut auftreten, wurde noch nie systematisch untersucht.[4]

7.1.6 Kosten

Für eine Micro-Haarpigmentierung müssen Sie, abhängig von Umfang und Aufwand der gewünschten Behandlung, mit Kosten im Rahmen von deutlich über fünfhundert bis mehreren tausend Euro rechnen. Discountpreise sollten Sie misstrauisch machen – diese Behandlung gehört nicht in die Hände unerfahrener Anbieter. Selbst erfahrene Tattookünstler ohne spezielle Zusatzausbildung sind den besonderen Anforderungen der Kopfhauttätowierung nicht gewachsen.

7.2 Haaraufbaufasern (Streuhaar)

Haaraufbaufasern (manchmal auch Schütthaar oder Streuhaar genannt) sind winzige Fasern, die auf das Haar aufgestreut und mit einem Spray fixiert werden. Die Fasern haften zuverlässig auch an dünnem Vellushaar und sorgen so bei lichtem oder besonders feinem Haar für einen überzeugenden Eindruck von mehr Haarfülle. Bei bereits zu stark ausgedünntem Haar kann Streuhaar kein befriedigendes Ergebnis mehr erzielen, da sich die Fasern nur an vorhandenen Haaren festsetzen können.

Streuhaar besteht oft aus Keratin, das aus fein gemahlener Wolle oder menschlichem Haar gewonnen wird; manche Marken verwenden auch Baumwoll- oder Viskosefasern.

Haaraufbaufaser-Produkte (Toppik, Biothik, Super Million Hair, HairFor2 etc.) sind überwiegend über das Internet, eventuell auch bei spezialisierten Friseuren und Fachhändlern erhältlich. Sie werden in zehn bis vierzehn Farbschattierungen angeboten, die untereinander auch mischbar sind, und können so sehr gut an die eigene Haarfarbe angepasst werden.

7.2.1 Anwendung

Streuhaar wird meist direkt aus der Dose aufgestreut bzw. "prisenweise" aufgebracht und eventuell zusätzlich mit dem Finger leicht im Haar verrieben. Die robuste Haftung zwischen Fasern und Haar wird durch eine elektrostatische Wechselwirkung vermittelt: Haar ist negativ geladen, die Fasern positiv. Zur Fixierung kann herkömmliches Haarspray verwendet werden. Das von den Herstellern ebenfalls angebotene spezielle Fixierspray ist wasserabweisend und schützt das Streuhaar auch bei leichtem Regen. Andere Produkte kommen als Spray, in dem Fasern und Fixiermittel bereits kombiniert sind.

So kommen Sie gut durch die allermeisten Alltagssituationen und können sogar problemlos Kopfbedeckungen tragen – nur heftige Regengüsse und starkes Schwitzen übersteht die Haarkosmetik eher nicht. Vor dem Schlafengehen sollten Sie Ihr Haar unbedingt waschen und die Fasern entfernen, da sie sich sonst auf dem Kopfkissen verteilen und Juckreiz verursachen können.

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